
runden Stehtisch, schart sich bereits eine Herde von zig Glaspferden um ein Einhorn. Die Glaspferde sind
Ausdruck ihrer anderen Welt – die von ihrer Mutter nicht erreicht werden kann. Der Vater hat die Familie
eines Tages verlassen. Laura hat einen Bruder, Tom. Er bringt anstatt des Vaters als Lagerarbeiter das Geld
nach Hause. Eigentlich will er nur schreiben, aber wenn er es zu Hause versucht, wird er keine Ruhe finden.
Die Unterlage, auf der er seine Zeilen zu Papier bringen will, beginnt zu beben. Ausgelöst wird das kleine
Beben durch die Präsenz der Mutter, die an ihren Kindern immer etwas auszusetzen, disziplinieren oder
beauftragen hat. Die Mutter hat ihre (fast) erwachsenen Kinder zur Lebensaufgabe und nimmt diese ernst.
Weder Laura noch Tom sind dem beengendem Alltagskarussell entkommen. Im zweiten Teil dreht sich die
Geschichte um den potentiellen Verehrer Jim, der die in der Wirtschaftsschule gescheiterte Laura in den
Hafen der Ehe führen sollte – das hat sich die Mutter so überlegt. Die Mutter saust unermüdlich über die
Bühne, um die eigenen vier Wände samt ihrer Kinder in ein zauberhaftes Heim zu verwandeln. Endlich
kommt dann der Erwartete und alle sind herausgeputzt. Aber das Vorhaben scheitert, denn Jim ist bereits
vergeben. Das Einhorn aus ihrer Glasmenagerie zerbricht.
Das Stück von Tennessee Williams fand in Basel bereits 1946 seine deutschsprachige Uraufführung. Rund
80 Jahre später sieht man nun eine Neuauflage, die die drückende Stimmung einer US-amerikanischen
Südstaaten-Familie der 1930er schonungslos in ihrer sozialen Tristesse zeigt. Die Figuren mit ihren
unterdrückten Gefühlen und der Beengtheit im sozialen Raum der Familie werden kreativ in Szene gesetzt,
indem Tom, Laura oder die Mutter, Amanda, auf einen der physiotherapeutischen Vibrationsgeräte steht oder
sitzt, wenn es unter der Haut bebt. Neben grossartigem Schauspiel, das mitreisst und berührt werden
leichtfüssig und fliessend kurzzeitig auch getanzter Ausdruck Teil des Stücks. Trotz der Länge des Stücks ein
eindrücklich schöner Abend.
Text / Bild: Dr. C. Dinsleder / J. Hirschfeld