Die Szene aus der Kindheit von Turandot steht still und das Publikum lauscht dem Sinfonieorchester Basel wie es zart fühlend die unvollendete letzte Oper von Puccini eröffnet. Die Unabgeschlossenheit der Oper ladet seit den 1920er Jahren dazu ein Puccinis Aufzeichnungen weiterzuschreiben und neue Anfänge und Enden zu setzen – so auch in Basel. Ein mitreissend stimmgewaltiger Chor umhüllte das Publikum. Turandot wird erwachsen und empfängt ihre Freier, die sich drei Rätseln stellen müssen. Ihr Scheitern ist Programm, was mit dem Tod bezahlt wird. Ein stilvoll schreitender junger Henker finalisiert das gestrenge Ritual. Wie im Märchen taucht ein unbekannter Prinz auf – auf einer anderen Ebene – aus einer anderen Welt. Im Theater Basel räumlich in schlichten Weiss auf einer Galerie inszeniert, während eine Ebene darunter Turandot samt Vater und Hofstatt auf die Wiederholung des todbringenden Schicksals eines weiteren Verehrers harrt. In der weiss getünchten Welt gibt es Liu die Sklavin und den alten Vater des kühnen «Prinzen» – Liu liebt ihren Herrn und ihr Gesang nimmt das Publikum ein. Der Unbekannte besteht die 3 Rätsel und darf Turandot selbst ein Rätsel stellen. Liu nimmt sich das Leben bevor sie ihrem Herrn in den Rücken fällt. Dieser tragische Akt öffnet die Tür für den märchenhaften Ausgang, dass Turandots Herz letztendlich doch weich wird und Liebe erkennt, die sie zuvor nicht fühlen konnte. Die erste Hälfte nimmt sich kurzweilig aus, während der zweite Teil emotional verwinkelt und durch seine Tragik eine gewisse Geduld fordert.
Das Publikum lässt sich begeistern von emotional stimmlich starken Auftritten der Opernsänger*innen, dem herausragenden Sinfonieorchester sowie dem Chor (+ Extrachor), die bei dieser herausfordernden Oper ihre Grösse gemeinsam zeigen. Ein blutlüstern, bezaubernder Abend im Zeichen tragisch erwachender Liebe.
Text/Bild: Dinsleder/Hirschfeld